Vollmond in der Waage und was „Beziehung“ wirklich bedeutet
Überall liest man gerade „Beziehungs-Vollmond“.
Aber bevor wir deuten, lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen und zu klären, was eine Beziehung überhaupt ist.
In Verbindung mit dem Sternzeichen Waage denken wir oft, dass eine Beziehung ein romantisches Konzept ist. Sie ist vor allem aber ein strukturiertes Verhältnis zwischen zwei oder mehr Einheiten, das durch Wechselwirkung, Erwartungen und Bedeutungszuschreibungen entsteht. Diese Einheiten können Menschen sein, aber genauso gut Staaten oder Institutionen, wirtschaftliche Akteure oder ganze Systeme.
Wenn wir Beziehungen also allgemeiner deuten, dann bedeutet Beziehung Im Kern immer: Etwas steht in Verbindung zu etwas anderem und beeinflusst es.
Im zwischenmenschlichen Bereich erleben wir das vor allem emotional. Es geht um Kommunikation, Nähe, Erwartungen und Konflikte. Beziehungen sind hier lebendig und verändern sich durch Erfahrung ständig.
Auf gesellschaftlicher Ebene werden Beziehungen hingegen strukturierter, denn hier geht es um Rollen, Hierarchien und Zugehörigkeiten.Es wird geschaut, wer wo im System steht und wer mit wem auf welcher Grundlage interagiert.
Und was ist mit politischen Beziehungen?
Sie sind vor allem strategisch und weniger „emotional“. Es geht auf dieser Ebene vor allem um Interessen, Macht, Ressourcen und Einfluss. Und Diplomatie, Allianzen oder Konflikte sind ein Ausdruck dieser Beziehungen. Wirtschaftlich basieren Beziehung auf Austausch und dem Geben und Nehmen. Wir finden Abhängigkeit aber auch Verhandlungen in dieser Ebene. Es geht aber auch immer um den „Nutzen“.
Auf der grundsätzlicheren Ebene ist Beziehung einfach eine Verbindung und ohne Beziehung gibt es keine Bedeutung!
Denn Dinge werden erst verständlich, weil sie in Beziehung zu etwas anderem stehen.
Über all diese Ebenen hinweg bleibt der Kern im übrigen gleich: Beziehung ist ein Prozess. Sie ist ein dynamisches Geflecht aus Wechselwirkungen, das sich ständig verändert. Und genau hier setzt dieser Vollmond an. Und genau das geht mir persönlich in der „modernen Astrologie“ manchmal verloren. Ja, die Waage ist das Beziehungszeichen und das macht sie sehr relevant für alles in unserem Leben.
Und der Vollmond in der Waage beleuchtet nun also unsere Beziehungen. Unsere Partnerschaften, und alle Ebenen, auf denen Austausch, Abhängigkeit oder Balance existiert.
Die Sonne im Widder stellt dieser Energie das Individuum gegenüber und steht für Eigeninteresse, Handlung und Durchsetzung.
Es geht jetzt also nicht nur darum, dass wir uns fragen, wie unsere Beziehungen laufen, sondern es wird viel grundlegender!
Wir dürfen uns jetzt fragen, in welchem Verhältnis wir zu anderen stehen und auch in welchem Verhältnis zu uns selbst?
Venus als Herrscherin dieses Vollmondes, steht im Stier und ist damit grundlegend stark positioniert. Mit ihr geht es um Werte, Sicherheit, Bindung und das, was wir festhalten wollen. Und ja, Venus im Stier hat auch eine Verbindung zu dem, was man als „emotionalen oder psychischen Speicher“ bezeichnen könnte.
Der Stier ist ein fixes Erdzeichen, er speichert und hält fest und konserviert Erfahrungen, besonders im Bereich von Beziehung, Nähe, Genuss und Sicherheit. Und das bedeutet, dass wir oft nicht nur auf das, was gerade passiert reagieren, sondern auf das, was wir bereits erlebt und abgespeichert haben.
Und in Kombination mit dem Quadrat zu Pluto im Wassermann wird genau das aktiviert. Tiefe, oft unbewusste Muster treten hervor und Macht, Kontrolle, Abhängigkeit oder Angst vor Verlust können sichtbar werden (auch auf kollektiver Ebene).
Mars, als Herrscher der Widder-Sonne, steht in den Fischen. Das verändert die Art, wie Konflikt und Durchsetzung stattfinden. Mars ist normalerweise direkt, klar und konfrontativ. In den Fischen wird er indirekt und ein wenig „hinten rum“.
Das kann sich so zeigen:
– Konflikte werden nicht offen ausgetragen
– Spannungen werden eher vermieden oder verdrängt
– Handlungen entstehen aus Gefühl
– Absichten sind nicht immer sofort erkennbar
Auf kollektiver Ebene kann das auch bedeuten, dass Konflikte nicht offen sichtbar sind, sondern verdeckt stattfinden. Strategien, Motive oder Ziele sind nicht immer klar erkennbar. Zusammen mit Merkur in den Fischen, der ein Quinkunx zum Mond bildet, entsteht eine Situation, in der Kommunikation und Emotion nicht deckungsgleich sind. Man sagt etwas und meint aber etwas anderes. Oder versteht etwas anders, als es gemeint war. Das T-Quadrat mit Jupiter im Krebs verstärkt die gesamte Dynamik, denn Jupiter vergrößert. Und im Krebs betrifft das Emotion, Zugehörigkeit, Schutz und Identität.
Das bedeutet, dass unsere Reaktionen jetzt ganz schön dramatisch und groß werden können und Themen persönlicher genommen werden. Und auch die Grenzen zwischen individuellem und kollektivem verschwimmen.
Und genau hier schließt sich der Kreis zur Definition von Beziehung:
Wenn Beziehungen immer Wechselwirkungen sind, dann zeigt dieser Vollmond, wie stark wir uns gegenseitig beeinflussen. Und das als Teil von Systemen und nicht nur als Individuum.
Dieser Vollmond ist kein „Beziehungs-Vollmond“ im klassischen Sinne. Er ist ein Vollmond über Verhältnisse.
Über Machtverhältnisse.
Über emotionale Verstrickungen.
Über Abhängigkeiten.
Über Austausch.
Über das Gleichgewicht zwischen Individuum und System.
Er zeigt, wo Beziehungen auf allen Ebenen aus der Balance geraten sind. Und er zeigt auch, dass Beziehung nie nur das ist, was wir fühlen, sondern auch das, was wir unbewusst mitbringen, was wir speichern, und wie wir innerhalb größerer Strukturen eingebunden sind.

